Sinkender Wohnungsleerstand in der Schweiz

In der Schweiz stehen schon seit über einem Jahrzehnt immer mehr Wohnungen leer. Dies hat sich jedoch in den letzten Monaten zum ersten Mal geändert. Der Leerstand sinkt – warum, und was bedeutet das für Mieter? Im Folgenden finden Sie Antworten auf diese Fragen.

 

Die Leerwohnungszählung 2021

Am 13. September 2021 kündigte das Schweizer Bundesamt für Statistik an, dass die Leerwohnungsziffer zum ersten Mal seit zwölf Jahren gesunken ist. Die letzte Zählung im Juni 2021 ergab, dass in der Schweiz etwas mehr als 71.000 Wohnungen leer stehen. Dabei handelt es sich um 1,54% des Gesamtbestandes an Wohnungen in der Eidgenossenschaft, wobei auch Einfamilienhäuser mitgezählt wurden.

Genaugenommen lag der Leerstand im Juni bei 71.365 Wohnungen, was genau 7.467 Wohnungen weniger sind als im Vorjahr. Die Abnahme des Leerstandes wird daher vom Bundesamt für Statistik mit 9,5% beziffert. Der gesamte Anteil an leeren Wohnungen ist damit innert Jahresfrist um 0,18% gesunken.

Insbesondere in den Schweizer Grossstädten sind jetzt mehr Wohnungen belegt. Der grösste Rückgang der Leerstandsquote wurde in der Ostschweiz und in der Nordwestschweiz verzeichnet. Nur die Grossregion Tessin weist einen leichten Anstieg der Leerwohnungsziffer auf.

Die folgenden Kantone glänzen mit einer besonders niedrigen Leerstandsziffer:

  • Kanton Zug: 0,34%
  • Genf: 0,51%
  • Zürich: 0,72%
  • Graubünden: 0,87%
  • Obwalden: 0,96%
  • Basel-Landschaft: 0,97%
  • Schwyz: 0,99%

 

Der einzige Kanton über der Drei-Prozent-Marke ist Solothurn. Im Jahr 2021 sind hier 3,15% der Wohnungen nicht besetzt, obwohl auch diese Zahl im Vergleich zum Vorjahr gesunken ist. Darüber hinaus weisen laut der Studie die Kanton Tessin, Appenzell, Innerrhoden und Jura vergleichsweise hohe Quoten auf.

 

Interessant ist hierbei der Blick auf die Aufteilung des aktuellen Wohnungsleerstandes. Wie die unten stehende Grafik gut veranschaulicht, betrifft der Leerstand vor allem zu vermietende Objekte. Weniger betroffen sind hingegen jene Immobilien, die zum Verkauf angeboten werden. 

Übrigens: Weitere Informationen zum Mietleerstand und dessen Bedeutung für private Mieter haben wir Ihnen hier zusammengestellt.

 

Warum ist der Mietleerstand gesunken?

Die Gründe für die abrupte Trendwende sind noch nicht vollständig geklärt. Jedoch gibt es einige Erklärungsansätze. Insbesondere die Zusammensetzung der Haushalte in der Schweiz scheint die Wohnungsnachfrage zu beeinflussen. Denn immer mehr Wohnungen werden nur von ein oder zwei Personen genutzt. Dies hängt sowohl mit der Alterung der Gesellschaft als auch mit ausziehenden Kindern zusammen.

Hinzu kommt, dass die Schweizer nach wie vor von einem Eigenheim träumen. Die Nachfrage nach Wohneigentum und Neubauten ist ungebrochen, obwohl während der Pandemie etwas weniger gebaut wurde. Verzögerte Bewilligungen sind ein wichtiger Grund dafür. Entsprechend hat die geringere Bautätigkeit die Wohnungsleerstandsquote zumindest zu einem kleinen Teil beeinflusst.

Dabei ist auch die Art der Neubautätigkeit relevant. Denn gerade in Städten werden erst alte Wohnungen abgebrochen, bevor neue erstellt werden. Der Nettozuwachs an Wohnungen ist in der Stadt gering, da es kaum noch Platz gibt. Auf dem Land lässt sich hingegen eine stärkere Neubautätigkeit registrieren. 

Darüber hinaus ist es wichtig, einen Blick auf die Wohnbevölkerung des Landes zu werfen. Immer weniger Kurzeitaufenthalter führen dazu, dass die ständige Wohnbevölkerung immer weiterwächst. Dies liegt unter anderem daran, dass Kurzeitaufenthalte zunehmend zu langfristigen Aufenthaltsbewilligungen werden. Ausserdem wurden in der Pandemie nur wenige neue Kurzzeitarbeitsstellen geschaffen.

 

Die Folgen des sinkenden Leerstandes für Mieter

Mieter werden sich nun fragen, welche Folgen die sinkende Leerstandsquote in der Stadt hat. Ein Blick in die Vergangenheit zeigt, dass die Mieten günstiger werden, wenn der Mietleerstand grösser ist. Insbesondere seit 2013 sind die Mieten in der Schweiz aufgrund des Leerstands unter Druck geraten. Zwischen 2013 und 2015 sanken die Mietpreise in der Schweiz sogar um etwa 10 Prozent.

Bei einem sinkenden Mietleerstand jedoch steigen die Mietpreise tendenziell. Denn dann werden die neu ausgeschriebenen Wohnungen teurer, da das Angebot knapper wird. Experten sind jedoch der Meinung, dass die Mieten in den nächsten Monaten wenn überhaupt nur zögerlich steigen werden.

Ausschlaggebend wird hier die Frage, ob der geringere Leerstand auch in den nächsten Jahren zu beobachten ist. Dies kann gut sein, da die Nachfrage nach neuen Mietwohnungen während der Corona-Pandemie immer grösser wurde, das Angebot hingegen nicht mithalten konnte. Bleibt dieser Trend ungebrochen, wird die Leerstandsziffer weiter sinken und die Mietpreise könnten mittelfristig steigen. 

Erste vorsichtige Prognosen sagen vorher, dass die Mietpreise in der Schweiz im Durchschnitt vorerst weiter sinken werden, dabei jedoch an Tempo verlieren. Mieter würden davon noch nicht viel zu spüren bekommen. Frühestens ab dem Jahr 2022 ist eine Stagnierung mit eventuell danach steigenden Preisen zu erwarten.

 

Ausblick: Starke Nachfrage und Preissteigerung bei Wohneigentum

In den nächsten Monaten und Jahren ist also damit zu rechnen, dass mehr Wohnungen in der Schweiz bewohnt sind. Damit könnte die Leerstandsquote weiter sinken, was unter anderem zu höheren Mietpreisen führt. Darüber hinaus erwarten Experten in der nahen Zukunft auch eine dynamischere Neubautätigkeit.

Neue Bewilligungen, die zwischen Mitte 2020 und Mitte 2021 bereits um über 7% gestiegen sind, geben dem Mietwohnungsmarkt neue Impulse. Dies bedeutet auch, dass die Produktion an Mietwohnungen weiterhin hoch bleiben wird. Während sich der Leerstand reduziert, ist kein Anlass für Sorge gegeben, was Wohnungsknappheit angeht.

Weitere aktuelle Entwicklungen sowie eine Übersicht der Mietpreise in der Schweiz finden Sie hier bei Properti sowie auf den Seiten der Grossbanken. Darüber hinaus bietet die Credit Suisse interessante Studien, die unter anderem Wohntrends unter jungen Erwachsenen beleuchten.

Fest steht: Trotz der Trendwende bestehen nach wie vor viele Herausforderungen. Denn der Wohnungsleerstand in der Schweiz befindet sich auf einem historischen Hoch. Nach wie vor lässt sich die Anzahl der leeren Wohnungen mit einer Geisterstadt vergleichen. Denn wären all diese Wohnungen an einem Fleck, würde eine nennenswert grosse Geisterstadt entstehen. Diese ist nun ein wenig kleiner geworden, existiert aber nach wie vor.

 

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